Erwerbslosigkeit und Unterbeschäftigung / unfreiwillige Teilzeit

Den gerade beschrieben langen Arbeitszeiten und Überstunden stehen insgesamt 3,5 Millionen Arbeitslose gegenüber (800.000 davon werden, weil sie in Maßnahmen sind, zum Zeitpunkt der Zählung gerade erkrankt waren oder älter als 58 Jahre sind, nicht zu den offiziellen Arbeitslosenzahlen gezählt).

Weitere 5,7 Millionen Erwerbstätige arbeiten Teilzeit, 87% davon sind Frauen. Nach dem Mikrozensus 2014 gaben etwa 1,5 Millionen Teilzeitbeschäftigte (13 % der Frauen und 26% der Mänder) als Grund für ihre Teilzeitarbeit an, keine Stelle in Vollzeit gefunden zu haben, sind also unfreiwillig in Teilzeit beschäftigt.

50% der Frauen und 10% der Männer gaben als Grund die Betreuung von Kindern oder Pflege an an, 18% der Männer und 4% der Frauen gaben an, wegen einer Aus- oder Fortbildung Teilzeit zu arbeiten, bei 8% der Männer und 2% der Frauen waren Krankheit oder Unfallfolgen für die Teilzeitarbeit. Die restlichen 29% der Frauen und 37% der Männer gaben andere Gründe an, unter anderem eine zweite Beschäftigung oder Selbstständigkeit.

Nicht alle diese Gründe stellen aus meiner Sicht eine wirkliche Freiwilligkeit dar.

  • fehlende Betreuungsmöglichkeiten
  • zu anstrengender Beruf (nicht nur bei der Angabe Krankheit / Unfallfolgen)
  • zweite Beschäftigung, weil im gewünschten Beruf nicht ausreichend gearbeitet / verdient werden kann.

Gleichzeitig sind diese Gründe im Hinblick auf die Länge eines Berufslebens häufig verrübergehend und führen dann im weiteren in eine unfreiwillige Teilzeit, wenn bei Wegfall des Grundes (Kinder werden älter, Pflegebedürfte Eltern sterben…) keine Vollzeitstelle gefunden wird.

Diskussionsstand in ver.di

Es gab zum Bundeskongress von unterschiedlichen Ebenen, Fachbereichen und Personengruppen über 40 Anträge zum Thema Arbeitszeitverkürzung. Ungefähr die Hälfte davon nennt im Antragstext oder in der Begründung die 30-Stunden-Woche als konkretes Ziel. Ich gehe hier davon aus, dass wenn dieses Thema in die Begründung verschoben ist, zumindest ein Teil der Antragsteller diese vertreten und das Verschieben des Themas in die Begründung einen Kompromiss darstellt. Darüber hinaus gab es auf dem Kongress selbst zwei unabhängige Initiativ-Anträge, um das konkrete Ziel einer 30-Stunden-Woche durch eine Änderung in den Leitantrag des Gewerkschaftsrates zum Thema Arbeitszeitverkürzung einzubringen.

Eine Schwierigkeit dabei, ein konkretes gemeinsames Ziel zu finden liegt in den unterschiedlichen Ausgangspositionen. In der Druckindustrie wurde (wie wir vorhin schon gehört haben) die 35-Stunden-Woche erfolgreich umgesetzt. Zwischen 37 und 40 Stunden existiert fast Abstufung in Tarifverträgen, die auch vertretenen Beamten müssen teilweise 42 Stunden arbeiten.

Gleichzeitig gibt es Branchen mit hoher Teilzeitquote wie den Einzelhandel und die Sozialen Berufe. Diese müssen unter andern Gesichtspunkte in eine Debatte über Arbeitszeitverkürzung eingebunden werden als den direkten Effekt, jeden Tag weniger zu arbeite.

Wie müssen diese Aspekte betrachten, dürfen sie aber dadurch nicht davon abhalten lassen, uns für eine Arbeitszeitverkürzung einzusetzen, den notwendig ist sie allemal.